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Doraheita

Im Jahre 1969 fanden sich vier Regisseure zusammen, um an einem Script für ein neues Jidaigeki (Chambara) zu arbeiten: Akira Kurosawa, Keisuke Kinoshita, Masaki Kobayashi und Kon Ichikawa. Es wurde damals jedoch nie umgesetzt. Erst dreißig Jahre später, nach dem Tode von A. Kurosawa, M. Kobayashi und K. Kinoshita nahm sich Kon Ichikawa des Skriptes an. Kon Ichikawa revidierte das Original- Skript und verfilmte es als Doraheita . Dieses Werk präsentiert sich als bodenständiges Action- Drama mit einer ausgewogenen Mischung aus verstecktem Humor und Ernst gleichermaßen. Doch ist der Ernst in Doraheita niemals tiefschwarz oder bitterernst, sondern immer mit einem Augenzwinkern begleitet.
Der Bezirk Horisoto ist die Art von Ort, den rechtschaffene Bürger gerne meiden: Ein Ort, an dem Schmuggel, Spiel und Prostitution das tägliche Leben vorschreiben. Samurais ist es nicht gestattet, diese Stadt zu betreten. Mochizuki Koheita (Koji Yakusho) wird vom Shogun in Edo aus beauftragt, mit den dort herrschenden kriminellen Elementen aufzuräumen. Über seinen Freund und Verbindungsmann Inspektor Senba Gijuro (Ryudo Uzaki) lässt Koheita das Gerücht streuen, er sei ein Doraheita, was soviel bedeutet wie Herumstreuner oder Sonnyboy. Um das Vertrauen der dort lebenden Bevölkerung zu gewinnen, gibt er sich dann auch nicht als Ermittlungsbeamter zu erkennen, solange es sein Status nicht erfordert. So wundert es auch nicht, dass Koheita nicht auf der hiesigen Polizeistation erscheint, um seine Position als Vorgesetzter anzutreten. Das einzige, was den dortigen Beamten bleibt, ist, Bericht zu führen und Mutmaßungen über die Abwesenheit Koheitas anzustellen. Unterstützung findet Koheita auch in Yasukawa (Tsurutaro Kataoka), einem alten Freund, der als Samurai dem Clan “Young Swords“ angehört und dessen Führung ihm obliegt. Einige jüngere Mitglieder des Clans finden die Vorgehensweise Koheitas aus der Sicht eines Samurais nicht richtig und fühlen sich in ihrer Ehre verletzt...
Doraheita findet alsbald heraus, dass es in der Stadt nicht nur drei Hauptverantwortliche für die kriminellen Machenschaften gibt, sondern dass es eine Verbindung zu den höhergestellten Clanmitgliedern in der Festung geben muss. Dieser ehemaliger Beraterstab des vor einigen Jahren verstorbenen Lords hat in den Folgejahren ein recht merkwürdiges Eigenleben entwickelt, so, dass dieser nun mit dem Erscheinen von Koheita vorsichtig genug geworden ist und nichts unversucht lässt, um ihn unter Kontrolle zu bringen. Doch sie haben nicht mit Koheitas unkonventionellen Methoden gerechnet. Koheita versteht es, mit Witz den verdächtigten Personen vor den Kopf zu stoßen, ohne deren Positionen in den Schmutz zu ziehen, oder gar respektlos zu erscheinen.
Zwischenzeitlich ist auch Doraheitas Freundin Kosei (Yuko Asano) aus Edo eingetroffen, eine Frau mit Worten so scharf wie ein Schwert! Da wird auch ein aufrechter Samurai wie Koheita kleinlaut. Zum Glück kommt gerade zur rechten Zeit sein Freund Yasukawa ins Zimmer herein. Doraheita, um einen Ausweg nicht verlegen, flüchtet aus dem Haus, als Kosei kurz das Zimmer verlässt- Yasukawa zurücklassend...
Die Rolle, die Yuko Asano in Doraheita spielt, ist einfach heiter und losgelöst. Kosei versucht mit allen Mitteln, Koheita dazu zu bewegen mit ihr zusammen nach Edo zurückzukehren. Dass sie mit ihrem Erscheinen in Horisoto Doraheita`s Pläne etwas durcheinander wirbelt, scheint sie weniger zu kümmern, bekommt doch durch Kosei`s Anwesenheit Doraheitas Auftrag noch die nötige Würze. Es sind nicht nur Kosei`s und Doraheita`s Charaktere, die dem Film eine gewisse Komik verleihen, auch die übrigen Darsteller tragen immer wieder ihren Teil dazu bei, Doraheita nicht als bitterernsten Film zu betrachten.
Im Gegensatz zu den Jidaigeki aus den 60-iger und 70-iger Jahren sind die Martial- Arts Kämpfe in Doraheita sehr unblutig. Auch im Finale, als Koheita gegen eine 20- köpfige Übermacht antritt, ist kein Blut zu sehen. Im übrigen gibt es nur einige wenige Kämpfe, sowohl unbewaffnet als auch mit Schwert zu sehen. In diesen Einstellungen zeigt Koheita seine souveräne Überlegenheit in der Kampfkunst. Mit einem weinenden Auge nehme ich auch in Doraheita die häufigen Nahaufnahmen in den Actionszenen wahr. Dies mag aus heutiger Sicht einen Film in den entsprechenden Sequenzen schneller erscheinen lassen, beraubt ihn aber auch der Intensität und deren Ernsthaftigkeit. Mit anderen Worten: Der Film verliert seine Glaubwürdigkeit hinsichtlich seiner Härte, oder um es aus einer anderen Sicht zu sehen: Doraheita wird in den Actionszenen durch seine Schnittweise abgemildert. Trotzdem hat das Werk Ichikawa`s in den Kampfszenen einige kreative Einstellungen zu bieten, die mir sehr gut gefallen haben, beispielsweise als Doraheita sein Schwert in Zeitlupe führt. Kon Ichikawa`s Doraheita ist ein Film, der mir viel Vergnügen bereitet hat und sich ohne weiteres zu den besten Produktionen seiner Zeit zählen darf.

Review: M. Lindenmeyer
10.03.2004