House Of Flying Daggers
Regisseur Zhang Yimou hatte mit Hero auch bei uns einen großen Erfolg zu verbuchen. Vielen Kinogängern war Crouching Tiger, Hidden Dragon noch im Gedächtnis, was der Promotion von Hero sehr zugute kam. House Of Flying Daggers ist Zhang Yimous zweites Martial- Art Drama. Davor hat er sich im Westen für seine Sozialdramen (Heimweg-1999, Die Geschichte der Qui Lu- 1992, Rote Laterne- 1991, u.a.) einen Namen gemacht. HOFD schließt an Hero nicht an. Der Titel House Of Flying Daggers ist etwas irreführend; letztlich ist HOFD eine Liebesgeschichte, hinter der sich eine Moral versteckt die zum Ende des Films hin ersichtlich wird.
Während der Tang- Dynastie sabotiert eine Untergrundorganisation mit dem Namen “Fliegende Messer“ die öffentliche Politik des Kaisers. Zwei Offiziere nehmen sich des Falles an und setzen bei Mei (Zhang Ziyi), einer blinden Unterhaltungskünstlerin an, die verdächtigt wird, die blinde Tochter des verschiedenen Clananführers zu sein. Nachdem sich Leo (Andy Lau) und Jin (Takeshi Kitano) abgesprochen haben, inhaftiert Leo Mei unter dem Vorwand, sie habe einen Angriff auf einen Offizier zu verantworten. Jin, ein Sonnyboy, befreit Mei aus dem Gefängnis und macht sich mit ihr auf die Flucht, in der Hoffnung, dass Mei ihm vertraut und ihn in das Versteck des Clans der fliegenden Messer führt. Leo hält sich dezent im Hintergrund und verfolgt und lenkt das Geschehen. Die Situation gerät jedoch außer Kontrolle, als der Kaiser selbst Regierungstruppen hinter Mei herschickt. Von jetzt an kann Leo seinem Freund Jin nicht mehr helfen und Jin muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht. Zumal Jin weiß, dass Mei ihm immer noch nicht vertraut. Doch Jin fühlt, dass er sich in Mei zu verlieben beginnt, und so entscheidet er sich für Mei...
Auch in seinem neuesten Werk versteht es Zhang Yimou wieder, durch visuelle und akustische Elemente ein Fest der Sinne zu schaffen. Schon nach wenigen Minuten folgt eine Tanzeinlage von Zhang Ziyi, die zu beeindrucken weiß. Einige Szenen sind in Zeitlupe abgedreht- ohne dass sie jedoch wie aufgesetzt wirken. Dazu ein Soundtrack, dass es eine wahre Freude ist, Zhang Ziyi bei ihrer Show zuzusehen.
Die Verfolgungsjagd im Bambuswald ist ein weiteres Highlight im Film. Die Farben hält Zhang Yimou hier diesig- grün bis giftgrün. In einigen Einstellungen kommt sein Blick für das Detail zum Tragen, wenn zum Beispiel Bambusspeere das Holz durchdringen oder zerschlagen. Diese Liebe zum Detail wusste Zhang Yimou auch in Hero ausdrucksstark in Szene zu setzen. Einer scheinbaren Ordnung der Natur gegenüber versteht es der Regisseur vorzüglich, die Unsicherheit und Zerrissenheit in den Herzen der drei Hauptakteure in Bilder sprechen zu lassen. Eine Einstellung, die mir besonders gefiel war, als Jin im Wald mit Blick auf die Birken eine Entscheidung treffen musste. Später, Leo und Mei sind ebenfalls im Bambuswald; dort dominiert die bildschirmfüllende Gleichmäßigkeit der Bambusknoten, während die beiden über ihre Gefühle diskutieren, ohne jedoch einen Ausweg zu finden. Im finalen Ende finden sich die Elemente einer konstruktiven als auch einer destruktiven Liebe in einem Zweikampf der Kontrahenten wider.
Für die Martial- Arts Koreografie zeichnet kein geringerer als Ching Siu Tung verantwortlich. Ohne Seil- Unterstützung kommt HOFD nicht aus. Immer wieder überwinden die Kampfhandlungen die Gesetze der Schwerkraft und finden in einer fast schon glaubwürdigen Anmut und Leichtigkeit Ausdruck. Der Eindruck, den die Kämpfe auf mich machen, sind eher distanziert und kühl, obwohl der dazugehörige Soundtrack recht puscht. Dies wird durch die schnellen Schnittfolgen und die relativ häufigen Totalen noch unterstrichen. Im Endkampf hingegen wusste Zhang Yimou wieder, wie er intensitätsgeladene Szenen beispielhaft in Bilder umsetzt.
Wer mit HOFD auf einen würdigen Nachfolger von Hero hofft, wird enttäuscht werden. Mit dem hohen Martial- Art Niveau von Hero kann HOFD nicht mithalten. Beeindruckend für mich ist HOFD hinsichtlich der Erzählweise einer Dreiecksbeziehung. Mit House Of Flying Daggers hat Zhang Yimou wieder einen Film geschaffen, dem es locker gelingt, die Sinne zu beflügeln.
Review: M. Lindenmeyer
15.11.2004
