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Suriyothai

Chatrichalerm Yukol schuf mit Suriyothai ist ein Epos, welches das Leben einer der bekanntesten und schillerndsten Persönlichkeiten in der Geschichte des damaligen Siams porträtiert. Ihr Handeln und ihre Loyalität zu ihrem Mann (und ihrem König) vereinte das Volk und verhalf zum Sieg gegen einen schier übermächtigen Feind. Sie kämpfte und starb an der Seite ihres Königs während eines Einmarsches der burmesischen Armee in das damalige Siam.
Suriyothai ist ohne Zweifel ein Epos der Superlative. In eine Kategorie lässt sich dieser Film nicht einordnen. Weder in Richtung Braveheart noch in Richtung Bang Rajan (ebenfalls einer thailändischen Produktion, die das Zeug zum Klassiker hat). Vielleicht lässt sich Suriyothai nur deshalb so schwer kategorisieren, da in diesem Film einige Tugenden zum Tragen kommen, die für den westlichen Zuschauer nur schwer, bzw. nicht durchschaubar sind; als da wären: Loyalität, Disziplin, Bescheidenheit, Ausdauer, Mut und Geduld. Eigenschaften, die von den Schauspielern nicht nur intellektuelle, sondern auch in hohem Maße eine geistige, moralische Erziehung voraussetzen. Und in dieser Hinsicht lässt sich Suriyothai nicht einordnen. Ein bewegender Film über eine willensstarke Frau, welche für die Liebe zu ihrem König ihr Leben gibt...
Zunächst fällt einmal die Länge des Films auf: Mit 192 Min. ist er alles andere als kurz. Hier mag sich sicher schon die Fraktion spalten, welche den Film sehen mag, und welche nicht. Um auf den Inhalt des Films zurückzukommen, dieser erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte. Und in dieser Kinofassung ist Suriyothai bereits gekürzt. Die längere Fassung läuft über 5 Std. Ich habe auch diese Fassung gesehen, ohne dass ich es bereut habe dass diese Version keine englischen Untertitel besitzt. Der Film holt weiter aus, keine zusätzlichen Filmminuten, die es nicht wert gewesen wären, sie nicht zu sehen. Suriyothai (5 Std. Version) baut von Anfang an auf und fesselt bis zum Ende.
Manchmal habe ich Mühe gehabt, der Handlung zu folgen, schon allein wegen der einigen Dutzend umfassenden Charakteren. Selbst von einigen thailändischen Kollegen erfahre ich, dass es sogar für sie teils schwer war, dem Film zu folgen. Sie sahen sich den Film mehrmals in thailändischen Kinos an. Weniger, weil sie den Charakteren nicht folgen konnten, sondern vielmehr den traditionellen Werten wegen, die von den agierenden Schauspielern hervorragend umgesetzt wurden. Eine Meisterleistung von Regisseur Chatrichalerm Yukol!
Eben dies ist ein weiterer Punkt, den Suriyothai so einzigartig macht: die meisterhafte Umsetzung seiner Charaktere. Sei es Königin Suriyothai, Prince Tien, Lord Piroen, Captain Raja Seneha oder auch der König von Hongsawadi- all diese Charaktere arbeiten sich im Film auf eine Art und Weise heraus, die es schwer macht, etwas Vergleichbares zu finden. All diese Menschen haben ihre Gründe, in den Wirren des Krieges, des Verrates und des Betruges nicht nur ihren Pflichten, sondern auch ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
Ich erwähne dies deshalb, da Suriyothai auf weiten Strecken, insbesondere in den Dialogszenen den Eindruck erweckt, dies sei ein kalter, gefühlsloser Film, der den Zuschauer teilnahmslos zurücklässt. Dies ist niemals der Fall. Wie ich bereits weiter oben erwähnte, spielen auch heute noch in vielen asiatischen Ländern eine geistige und moralische Erziehung eine große Rolle. Eine emotionsgeladene Auftrittsweise wird sehr oft als Schwäche hingestellt. Daran hat sich bis in die heutige Zeit nichts geändert. Auch, oder vielleicht gerade trotz dieser Tugenden finden Gefühle und das Seelenleben der darstellenden Charaktere einen Weg, sich auszudrücken- nur eben auf eine andere Weise. Auf eine ganz eigene, asiatische Weise des Denkens und der Lebensumstände. Mich hat “Suriyothai“ ergriffen und beeindruckt, wie es nur wenige Filme zuvor vermochten.
Beeindruckend die schauspielerischen Leistungen von ปิยาภัสร์ ภิรมย์ภักดี (Bpijapas Pirompagdi), welche Königin Suriyothai so überzeugend und souverän auf die Leinwand bringt, als hätte sie sich ihr Leben lang auf diese Rolle vorbereitet. Das Vertrauen, das sie in der Rolle als Phra Suriyothai darlegt, ist so überzeugend als ob es sich um eine Dokumentation und nicht um einen Spielfilm handelt. Sei es, als sie noch nicht Königin war und ein unbeschwertes Leben führte, oder als mitfühlende Mutter als ihr Sohn den Tod fand. Ihren Gefolgsleuten gegenüber ihre Gerechtigkeit und Anteilnahme zeigend; niemals ungerecht oder emotionsgeladen. Manchmal hart und kompromisslos agierend. Eine Frau, die durch ihre Liebe gelebt und durch ihre Hingabe zu ihrem König zur Legende wurde.
Ebenfalls beeindruckend ist สรพงษ์ ชาตรี (Sorapong Tschadtrii), der den Part von Raja Senha übernimmt, und durch seine beeindruckende Kriegskünste im Umgang mit Schwert und Gewehr zu überzeugen weiß. Auch seine Loyalität seiner Königin gegenüber ist über jeden Zweifel erhaben.
Sisudachan, ใหม่ เจริญปุระ (Mai Charoenpura), wiederum ist falsch, böse. Eine Frau, die Intrigen strickt, nur auf ihr eigenes Wohl bedacht ist. Das kommt im Film richtig gut rüber.
Die ersten 60 Minuten des Films werden von Dialogszenen dominiert. Einige wenige Kampfhandlungen kommen zum Tragen. Doch dann, nach der ersten Stunde mehren sich die Kämpfe und Schlachten, das Szenario nimmt dann teils epische Ausmaße an. Was der Zuschauer dann zu Gesicht bekommt, sind nicht stilisierte, sondern mehr realistisch gehaltene Kämpfe die im Filmgenre eher die Ausnahme als die Regel sind. Und dann aber auch in einer solchen Intensität, die nur wenigen Filmen zuteil ist. Um dies vorweg zu nehmen: Ich habe noch nie einen Film gesehen, in dem so viel enthauptet wird, wie in Suriyothai. Die Kampfeinstellungen sind kompromisslos, schonungslos. Geführt werden die Kämpfe zu Fuß und mit voll ausgestatteten Kriegselefanten. Vom einfachen Soldaten bis zum berittenen Vorgesetzten- ausgestattet bis ins kleinste Detail. Angefangen von der Kleidung bis zur Waffe, es ist eine Freude, eine Setausstattung solchen epischen Ausmaßes auf der Leinwand präsentiert zu bekommen. Mit “Suriyothai“ hat Chatrichalerm Yukol den Bergriff „großartiges Kino“ neu definiert.
Den Dreharbeiten von Suriyothai ging eine 5-jährige Forschungsarbeit namhafter Experten in der Geschichte und in der Archäologie in enger Zusammenarbeit mit Regisseur Prinz C. Yukol voraus. Heraus kam ein Film, der seinesgleichen sucht. Ich kann diesen Film jedem empfehlen, der sich für historische Epen interessiert. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch: Aufgrund seiner traditionell-kulturellen Anlehnung ist Suriyothai nicht jedermanns Geschmack. Yukols Meisterwerk ist und wird ein Exot bleiben, der sich nur denen unter uns westlichen Zuschauer voll erschließt, denen die fernöstliche Denk- und Lebensweise nicht fremd ist.

Review : ม. ลิเดนมัยย์แอะร์ / M. Lindenmeyer
10.09.2003